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Restwert einer Photovoltaikanlage berechnen

Der Restwert einer PV-Anlage ergibt sich aus dem, was sie ab heute noch erwirtschaftet. Zwei durchgerechnete Beispiele zeigen, wo der Wert steckt und was ihn kippen lässt.

Kurz gesagt

Der Restwert einer Photovoltaikanlage ist der Barwert ihrer künftigen Überschüsse bis zur Stilllegung, abzüglich Ersatzinvestitionen und Rückbau. Solange die EEG-Vergütung läuft, trägt sie fast den gesamten Wert. Danach entscheidet der Eigenverbrauch.

Restwert, Restbuchwert und Kaufpreis

Drei Zahlen werden oft verwechselt. Der Restbuchwert ist der Anschaffungspreis minus Abschreibung; PV-Anlagen werden steuerlich über 20 Jahre abgeschrieben, danach steht in der Bilanz null. Der Kaufpreis von damals ist Geschichte. Der Restwert im wirtschaftlichen Sinn fragt nur nach der Zukunft. Eine voll abgeschriebene Anlage mit hohem Eigenverbrauch kann deshalb noch einen fünfstelligen Wert haben.

So wird der Restwert berechnet

Restwert = Σ (Erlöse − Betriebskosten − Investitionen)ₜ / (1 + i)ᵗ − Rückbau / (1 + i)ⁿ Erlöse = Einspeisung × Vergütung (bis EEG-Ende, danach Marktwert) + Eigenverbrauch × Strombezugspreis

Wir rechnen jedes Jahr einzeln: Ertrag aus den Zählerständen, Degradation, Vergütungssatz bis zum Ende des 20. Jahres nach Inbetriebnahme, danach der Erlös aus Direktvermarktung oder Anschlussvergütung. Die Kosten steigen um 2 % pro Jahr. Das Stilllegungsjahr wählen wir so, dass der Wert am höchsten ist: Sobald der Betrieb Geld kostet, endet er im Modell.

Rechenbeispiel 1: Gewerbedach, 250 kWp, Baujahr 2011

Annahmen: 960 kWh/kWp im letzten Jahr (240.000 kWh), Degradation 0,5 % pro Jahr, Volleinspeisung mit angenommenen 26,6 ct/kWh bis Ende 2031, danach 4,5 ct/kWh. Betriebskosten 8.000 € im ersten Jahr (32 €/kWp). Wechselrichter noch original, Tausch 2027 für 130 €/kWp. Nutzungsdauer 27 Jahre, Rückbau 25 €/kWp, Zins 5,5 %. Stichtag 1. Januar 2027.

JahrErtrag kWhErlöse €Kosten €Investition €Netto-Cashflow €Barwert €
2027240.00063.8408.00032.50023.34022.123
2028238.80063.5218.160055.36149.739
2029237.60663.2038.323054.88046.737
2030236.41862.8878.490054.39843.911
2031235.23662.5738.659053.91341.251
2032234.06010.5338.83301.7001.233
2033232.88910.4809.00901.4711.011
2034231.72510.4289.18901.238807
2035230.56610.3759.37301.002619
2036229.41310.3249.5610763447
2037228.26610.2729.7520520289
2038227.12510.2219.9476.250−5.976−3.143
Summe der Barwerte (indikativer Ertragswert)205.022

Ergebnis: rund 205.000 €, also etwa 820 €/kWp. Knapp 98 % des Werts stammen aus den Jahren bis 2031. Die sieben Jahre danach bringen zusammen weniger als der Rückbau kostet. Wer diese Anlage kauft, bezahlt im Kern fünf Jahre gesicherte Vergütung und muss wissen, ob der Wechselrichter so lange durchhält.

Rechenbeispiel 2: Einfamilienhaus, 10 kWp, Baujahr 2012

Annahmen: 950 kWh/kWp, Degradation 0,5 %, 30 % Eigenverbrauch bei 35 ct/kWh Strompreis, Einspeisung mit 19,5 ct/kWh bis Ende 2032, danach 4,5 ct/kWh. Betriebskosten 150 € pro Jahr, Wechselrichter bereits 2024 getauscht. Nutzungsdauer 30 Jahre, Rückbau 600 €, Zins 3,5 %.

JahrErtrag kWhErlöse €Kosten €Investition €Netto-Cashflow €Barwert €
20279.5002.29415002.1442.072
20289.4522.28315302.1301.988
20299.4052.27115602.1151.908
20309.3582.26015902.1011.831
20319.3112.24916202.0861.757
20329.2652.23716602.0721.685
20339.2191.25816901.089856
20349.1721.25217201.080820
20359.1271.24617601.070785
20369.0811.24017901.060752
20379.0361.23318301.051720
20388.9901.22718701.041689
20398.9451.22119001.031659
20408.9011.21519401.021631
20418.8561.20919801.011603
20428.8121.203202600401231
Summe der Barwerte (indikativer Ertragswert)17.986

Ergebnis: rund 18.000 €. Ohne Eigenverbrauch läge der Wert bei 10.100 €. Nach dem EEG-Ende 2032 bleibt die Anlage wirtschaftlich, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde 35 ct spart. Bei einem Hausverkauf gehört dieser Wert in die Kaufpreisverhandlung.

Beide Beispiele sind anonymisierte Modellrechnungen mit typischen Annahmen aus unserer Praxis, keine konkreten Mandate. Vergütungssätze ersetzen nicht den Blick in die eigene Abrechnung.

Restwert nach 10, 15, 20 und 25 Jahren

AlterTypische LageWas den Wert trägtWorauf wir achten
10 Jahrenoch 10 EEG-Jahregesicherte VergütungErtrag gegenüber Prognose, erster Wechselrichtertausch
15 Jahrenoch 5 EEG-Jahreletzte VergütungsjahreWechselrichter, Zustand Unterkonstruktion, Dach
20 JahreEEG endetEigenverbrauch, MarktwertKosten gegen Erlöse, Messkonzept, Direktvermarktung
25 Jahrenach EEGEigenverbrauchRestnutzungsdauer von Modulen und Dach, Rückbaukosten

Ratgeberportale nennen Faustwerte wie „30 bis 40 % des Kaufpreises nach 10 Jahren“. Für eine Verhandlung sind solche Werte wertlos: Sie hängen am historischen Preis (je nach Baujahr 1.000 bis 5.000 €/kWp) statt an den künftigen Erlösen.

Sie brauchen einen belastbaren Wert?Wir bewerten Ihre Anlage vor Ort und legen jede Annahme offen.

Häufige Fragen

Wie berechnet man den Restwert einer PV-Anlage?

Man summiert die abgezinsten jährlichen Überschüsse bis zur Stilllegung und zieht Ersatzinvestitionen und Rückbau ab. Grundlage sind die tatsächlichen Erträge, der Vergütungssatz, die Kosten und die Restnutzungsdauer.

Ist der Buchwert gleich dem Restwert?

Nein. Der Buchwert folgt der Abschreibung über 20 Jahre und sagt nichts über künftige Erlöse. Eine abgeschriebene Anlage kann noch viel wert sein, eine junge Anlage mit Mängeln weniger als ihr Buchwert.

Was ist der Unterschied zwischen Restwert und Residualwert?

Im Alltag werden beide Begriffe gleich verwendet. Fachlich bezeichnet der Residualwert den Wert am Ende eines festgelegten Zeitraums, etwa einer Finanzierung oder eines Leasingvertrags. Mehr dazu auf der Seite Residualwert einer PVA.

Wie beeinflusst die EEG-Vergütung den Restwert?

Solange sie läuft, trägt sie fast den gesamten Wert. Bei Anlagen aus 2009 bis 2011 mit 25 bis 43 ct/kWh entfällt der Wert fast vollständig auf die verbleibenden Vergütungsjahre.

Stand: 24.09.2026